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von
Hermann-Josef Mammes
Hüven
An
die alte Zeit erinnert auf dem Hümmling neben dem weltbekannten Schloss
Clemenswerth in Sögel auch die in Mitteleuropa einmalige Wind- und
Wassermühle in Hüven.
Wie
die Recherchen des Heimatvereins Aschendorf-Hümmling - Eigentümer
des kulturhistorisch bedeutenden Baudenkmals ergaben, wurde die
Wassermühle bereits am 21. Juni 1802 fertig gestellt. Sie stand
damals direkt am Flusslauf der Mittelradde.
In
der regenarmen Zeit konnte in der Hüvener Wassermühle nur dank
eines großen gestauten Mühlenteiches das Notwendigste an Korn
gemahlen werden. Während man andernorts dazu überging, separate
Windmühlen zu errichten und die Wassermühlen zu Öl- bzw. Walkemühlen
umzubauen, hatte der Müller in Hüven eine besondere Idee. Er
wollte auf seine „Kornwassermühle" nicht verzichten und bat
den Mühlenbauer Bernhard Dierkes, Hüven, eine Lösung zu finden.
Dieser
hatte einen genialen Einfall. Er konstruierte eine Windmühle, die
auf die Wassermühle gesetzt werden sollte. Eine Konstruktion, die
damals in Norddeutschland vollends unbekannt war. Die Windmühle
sollte über eine Kupplung je nach Bedarf zugeschaltet werden können,
um die Mühlsteine auch bei „Niedrigwasser" in Bewegung
setzen zu können. Diese Umbauarbeiten wurden in Hüven in den
Jahren 1850/51 ausgeführt.
Diese
Konstruktion scheint ein voller Erfolg gewesen zu sein, sonst hätte
der Wassermüller in Herßum etwa zehn Jahre später wohl nicht eine
eben solche zusätzliche Windmühle ebenfalls bei Dierkes in Auftrag
gegeben.
In
ihrem Ursprung geht die Hüvener Wind- und Wassermühle jedoch
bereits auf das 16. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1534 ist der „Erffkotter
tho Hüven de Moller" erstmals schriftlich erwähnt. Die in Hüven
bereits an selber Stelle bestehende Wassermühle wurde 1801 durch
ein Feuer zerstört, aber dann sofort wieder aufgebaut.
Die
heute sanierte Grundkonstruktion des Wassermühlenteils geht auf
diese Zeit zurück. Sie bildet den Höhepunkt emsländischer Mühlenbaukunst.
Bis
zum so genannten „Mühlenstau" um 1950 war die Mühle in
Betrieb, musste dann jedoch aus Sicherheitsgründen stillgelegt
werden und war damit dem Verfall preisgegeben. Der Heimatverein
Aschendorf-Hümmling erwarb dieses einmalige technische Bauwerk 1955
und leitete unter dem Gründungsvorsitzenden August Löning aus
Lathen die erste grundlegende Sanierung ein, die 1957 abgeschlossen
werden konnte.
Die
jetzt anstehenden Sanierungsarbeiten bedürfen der Fähigkeiten überlieferter
Handwerkskünste. Das Unternehmen Menting aus Schermbeck hat sich
auf Lehmwände spezialisiert und führt die Arbeiten am Mauerwerk in
Hüven aus. Wilhelm Menting teilte mit, dass der Lehm nach alt bewährter
Rezeptur aus Lehm, Sandgemisch mit Stroh, Molke bzw. Kuhdung
versetzt auf der Baustelle hergestellt und verarbeitet wird.

DIE
ZIMMERERARBEITEN mit dem handgefertigten Eichenschindeln
bedürfen besonderen Geschicks. |

DIE
UNTERSCHIEDLICHEN MAHLGÄNGE wurden über die Hauptachse per
Wind oder Wasser in Betrieb gesetzt. |

STEILE TREPPEN
und Leitern durchziehen die unterschiedlichen Ebenen des
historischen Gebäudes. |

IN
SCHWINDELERREGENDER HÖHE müssen die Dachdecker ihr Werk an
dem Gebäude vollenden. |

DURCH DIE
RENATURIERUNG der Mittelradde fließt nach Einschätzung
der Experten auch wieder ausreichend Wasser durch den Fluss,
um die
Hüvener Mühle in Gang zu setzen.
Fotos: Mammes |
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