Die über 200 Jahre alte Hüvener Mühle: Ein kulturhistorisches Baudenkmal von überregionaler Bedeutung

Wände aus Lehm, Stroh, Molke und Kuhdung
(Ems-Zeitung, 25.11.2005)

Mühlenbauer Dierkes und sein genialer Einfall anno 1850

von Hermann-Josef Mammes
Hüven
An die alte Zeit erinnert auf dem Hümmling neben dem weltbekannten Schloss Clemenswerth in Sögel auch die in Mitteleuropa einmalige Wind- und Wassermühle in Hüven.

Wie die Recherchen des Heimatvereins Aschendorf-Hümmling - Eigentümer des kulturhistorisch bedeutenden Baudenkmals ergaben, wurde die Wassermühle bereits am 21. Juni 1802 fertig gestellt. Sie stand damals direkt am Flusslauf der Mittelradde.

In der regenarmen Zeit konnte in der Hüvener Wassermühle nur dank eines großen gestauten Mühlenteiches das Notwendigste an Korn gemahlen werden. Während man andernorts dazu überging, separate Windmühlen zu errichten und die Wassermühlen zu Öl- bzw. Walkemühlen umzubauen, hatte der Müller in Hüven eine besondere Idee. Er wollte auf seine „Kornwassermühle" nicht verzichten und bat den Mühlenbauer Bernhard Dierkes, Hüven, eine Lösung zu finden.

Dieser hatte einen genialen Einfall. Er konstruierte eine Windmühle, die auf die Wassermühle gesetzt werden sollte. Eine Konstruktion, die damals in Norddeutschland vollends unbekannt war. Die Windmühle sollte über eine Kupplung je nach Bedarf zugeschaltet werden können, um die Mühlsteine auch bei „Niedrigwasser" in Bewegung setzen zu können. Diese Umbauarbeiten wurden in Hüven in den Jahren 1850/51 ausgeführt.

Diese Konstruktion scheint ein voller Erfolg gewesen zu sein, sonst hätte der Wassermüller in Herßum etwa zehn Jahre später wohl nicht eine eben solche zusätzliche Windmühle ebenfalls bei Dierkes in Auftrag gegeben.

In ihrem Ursprung geht die Hüvener Wind- und Wassermühle jedoch bereits auf das 16. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1534 ist der „Erffkotter tho Hüven de Moller" erstmals schriftlich erwähnt. Die in Hüven bereits an selber Stelle bestehende Wassermühle wurde 1801 durch ein Feuer zerstört, aber dann sofort wieder aufgebaut.

Die heute sanierte Grundkonstruktion des Wassermühlenteils geht auf diese Zeit zurück. Sie bildet den Höhepunkt emsländischer Mühlenbaukunst.

Bis zum so genannten „Mühlenstau" um 1950 war die Mühle in Betrieb, musste dann jedoch aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden und war damit dem Verfall preisgegeben. Der Heimat­verein Aschendorf-Hümmling erwarb dieses einmalige technische Bauwerk 1955 und leitete unter dem Gründungsvorsitzenden August Löning aus Lathen die erste grundlegende Sanierung ein, die 1957 abgeschlossen werden konnte.

Die jetzt anstehenden Sanierungsarbeiten bedürfen der Fähigkeiten überlieferter Handwerkskünste. Das Unternehmen Menting aus Schermbeck hat sich auf Lehmwände spezialisiert und führt die Arbeiten am Mauerwerk in Hüven aus. Wilhelm Menting teilte mit, dass der Lehm nach alt bewährter Rezeptur aus Lehm, Sandgemisch mit Stroh, Molke bzw. Kuhdung versetzt auf der Baustelle hergestellt und verarbeitet wird.


DIE ZIMMERERARBEITEN mit dem handgefertigten Eichenschindeln bedürfen besonderen Geschicks.

DIE UNTERSCHIEDLICHEN MAHLGÄNGE wurden über die Hauptachse per Wind oder Wasser in Betrieb gesetzt.

STEILE TREPPEN und Leitern durchziehen die unterschiedlichen Ebenen des historischen Gebäudes.

IN SCHWINDELERREGENDER HÖHE müssen die Dachdecker ihr Werk an dem Gebäude vollenden.

DURCH DIE RENATURIERUNG der Mittelradde fließt nach Einschätzung
der Experten auch wieder ausreichend Wasser durch den Fluss, um die
Hüvener Mühle in Gang zu setzen
.               Fotos: Mammes

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